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Medikamente als Ursache für eine Blasenentzündung?

Autoren: , Fachärztin für Urologie

Blasenentzündungen entstehen meist durch Bakterien, die aus dem Genital- und Analbereich in die Harnwege aufsteigen. Weniger bekannt ist jedoch, dass auch bestimmte Medikamente das Risiko für solche Infekte erhöhen können – etwa durch eine Schwächung der Abwehrkräfte, eine unvollständige Blasenentleerung oder die Bildung von Harnsteinen. In manchen Fällen kann auch das Medikament selbst die Blasenschleimhaut direkt reizen und dadurch Beschwerden auslösen.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Medikamente wie Immunsuppressiva, manche Psychopharmaka oder Diabetesmittel können das Auftreten von Blasenentzündungen begünstigen.
  • Die Therapie richtet sich unter anderem nach dem jeweiligen Medikament und danach, ob Keime beteiligt sind. Auch eventuelle Nebenwirkungen des Medikaments wie Restharn oder Harnsteine müssen behoben werden.
  • Wichtig: Setzen Sie das betreffende Medikament nicht eigenständig ab. Stattdessen sollten Sie mögliche Alternativen oder begleitende Maßnahmen zur Vorbeugung einer erneuten Blasenentzündung mit Ihrem behandelnden Arzt besprechen.

Medikamente: ein unterschätzter Risikofaktor für Blasenentzündungen

Es gibt viele Risikofaktoren, die die Entstehung von Harnwegsinfekten (z. B. Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen) begünstigen – von falscher Intimhygiene über ein aktives Sexualleben bis hin zu bestehenden Grunderkrankungen. Weniger bekannt mag jedoch sein, dass bestimmte Arzneimittel das Risiko für keimbedingte Infektionen, etwa durch das Bakterium Escherichia coli (E. coli), erhöhen können.

Im Folgenden erfahren Sie, auf welche Weise Medikamente Harnwegsinfekte fördern können und welche Arzneimittel dabei eine Rolle spielen.

Direkte Schädigung der Blasenschleimhaut

Abschließend sei erwähnt, dass einige Medikamente die Harnblase direkt schädigen können, was eine Entzündung der Blasenschleimhaut zur Folge haben kann. Dies kann zum Beispiel vorkommen bei:

  • einer Behandlung mit Cyclophosphamid (ein Medikament, das in der Krebstherapie oder zur Unterdrückung des Immunsystems eingesetzt wird, z. B. bei rheumatischen Erkrankungen oder nach einer Stammzelltransplantation)
  • einer Therapie mit Ifosfamid (ein weiteres Medikament in der Krebstherapie)
  • chronischem Ketamin-Missbrauch (Ketamin ist eigentlich ein Narkosemittel, wird aber wegen seiner berauschenden Wirkung auch als Droge verwendet)
  • einer BCG-Therapie (Bacillus Calmette-Guérin, eine Lösung mit abgeschwächten Bakterien zur Behandlung von Blasenkrebs): Durch BCG wird eine gewollte Immunreaktion in der Blase ausgelöst. Als „Nebeneffekt“ dieser Entzündung werden die Tumorzellen zerstört. Die Symptome ähneln einer klassischen Blasenentzündung. Die Beschwerden klingen in der Regel innerhalb weniger Tage von selbst ab.

Vorbeugung von Blasenentzündungen bei Krebstherapie: Mesna als Schutz

Zur Vorbeugung einer durch Cyclophosphamid oder Ifosfamid bedingten Blasenentzündung kann das Medikament Mesna verabreicht werden. Dieses bindet die toxische Substanz, die für die Blasenschädigung verantwortlich ist. Somit kann das Risiko für eine Blasenreizung deutlich reduziert werden.

Wichtig: Blasenentzündungen, die durch eine direkte medikamentöse Reizung der Blase entstehen, sind – mit Ausnahme der BCG-Therapie – nicht bakteriell bedingt. Das heißt, Antibiotika helfen hier nicht.

Übrigens: Auch eine Strahlentherapie im Beckenbereich (z. B. im Rahmen einer Krebstherapie) kann die Blase schädigen und zu einer Entzündung führen (sogenannte Strahlenzystitis).

Wie erkennt man eine medikamentös bedingte Blasenentzündung?

Eine durch Medikamente begünstigte oder ausgelöste Blasenentzündung geht in der Regel mit den gleichen Beschwerden wie eine „gewöhnliche“ Blasenentzündung einher: Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, Schmerzen im Unterbauch und gelegentlich Blut im Urin.

Der Unterschied liegt weniger in den Symptomen selbst, sondern vielmehr darin, wann und unter welchen Umständen sie auftreten. Ein einzelnes sicheres Kriterium, das eine medikamentös bedingte Blasenentzündung zweifelsfrei nachweist, gibt es kaum. Ein wichtiger Anhaltspunkt kann aber ein zeitlicher Zusammenhang zwischen dem Beginn der Medikamenteneinnahme und den Beschwerden sein. Auch ein Blick in den Beipackzettel lohnt sich: Werden dort mögliche Nebenwirkungen wie Harnwegsinfekte, Restharnbildung, Immunschwäche oder Harnsteinbildung genannt, kann dies auf einen Zusammenhang mit dem Medikament hindeuten.

Wichtig: Ob tatsächlich das Medikament eine Rolle spielt, kann nur der Arzt beurteilen. Suchen Sie daher bei Beschwerden ärztliche Hilfe. So lässt sich klären, ob Ihre Medikamente eine Rolle beim Infektgeschehen spielen – und welche Behandlung und Maßnahmen in Ihrem Fall am sinnvollsten sind.

Wie wird eine durch Medikamente begünstigte Harnwegsinfektion behandelt?

Die Behandlung der Blasenentzündung richtet sich danach, ob tatsächlich Bakterien im Spiel sind oder nicht. Grundsätzlich gilt:

  • bakterielle Harnwegsinfektion: Wenn in der Urinanalyse Bakterien nachgewiesen werden, erfolgt die Therapie – je nach Begleitumständen – mit pflanzlichen Präparaten, Schmerzmitteln und/oder einem Antibiotikum. Zusätzlich kann Ihr Arzt prüfen, ob das jeweilige Medikament durch ein besser verträgliches Präparat ersetzt werden kann. Falls begleitende Maßnahmen helfen können, einem erneuten Harnwegsinfekt vorzubeugen, kann Ihr Arzt diese mit Ihnen besprechen.
  • nicht-bakterielle (irritative/toxische) Zystitis: Handelt es sich um eine Blasenentzündung, die durch das Medikament direkt hervorgerufen wird, z. B. wie durch Cyclophosphamid, greift man nicht zu Antibiotika – diese wären hier wirkungslos, da es sich nicht um eine bakterielle Infektion handelt. Die Entzündung selbst wird symptomatisch behandelt. Das bedeutet: viel trinken und schmerzlindernde Medikamente bei Bedarf. Ihr Arzt wird auch hier mit Ihnen klären, ob es eine bessere Alternative zu Ihrem Medikament gibt oder ob es beispielsweise sinnvoll ist, eine Therapiepause einzulegen, bis sich Ihre Blase wieder erholt hat.
    • Cyclophosphamid/Ifosfamid: Vorbeugend kann Mesna verabreicht werden, um das Risiko für eine Blasenentzündung zu reduzieren.
    • BCG: Die Beschwerden klingen meist ohne Behandlung innerhalb kurzer Zeit ab. Gegebenenfalls können schmerzlindernde Mittel wie Paracetamol unterstützend eingesetzt werden. Halten die Symptome jedoch länger an oder tritt zusätzlich Fieber auf, erfolgt in der Regel eine antibiotische Therapie. Zudem kann eine Therapiepause oder der Abbruch der BCG-Behandlung notwendig sein.
    • Ketamin: Hier gilt es, den Ketamin-Konsum umgehend zu beenden – die Behandlung der entstandenen Blasenschäden ist schwierig und erfordert zum Teil größere operative Eingriffe.
  • Restharn und Harnsteine beheben: Manche Arzneimittel begünstigen Harnwegsinfekte indirekt, indem sie Restharn oder Harnsteine verursachen. Diese Probleme müssen mitbehandelt werden, da sie sonst immer wieder als Infektionsquelle dienen können: Bei ausgeprägter Restharnbildung kann es nötig sein, den Urin vorübergehend per Katheter abzuleiten, damit die Blase vollständig entleert wird und kein Keimreservoir mehr bietet. Harnsteine werden beispielsweise mittels einer OP entfernt oder durch Stoßwellen zertrümmert.

Was kann ich selber tun, um Harnwegsinfekten vorzubeugen?

Es gibt zum Glück einiges, was man selbst tun kann, um das generelle Risiko für Blasenentzündungen zu senken. Welche Maßnahmen das sind, lesen Sie hier: Vorbeugung: Wie lassen sich Risikofaktoren minimieren?

Fazit

Medikamente können auf verschiedene Weise zu Harnwegsinfektionen beitragen – etwa indem sie die Abwehrkräfte schwächen oder die vollständige Blasenentleerung behindern. Wenn Sie häufiger an Blasenentzündungen leiden und gleichzeitig bestimmte Medikamente einnehmen, sollten Sie einen möglichen Zusammenhang mit Ihrem Arzt besprechen. Eventuell lässt sich das betreffende Präparat durch eine verträglichere Alternative ersetzen oder zumindest das Infektionsrisiko durch begleitende Maßnahmen wie eine erhöhte Trinkmenge verringern.

Wenn Sie an weiteren ausführlichen Informationen zur Ursache und Behandlung von Blasenentzündungen interessiert sind, erfahren Sie hier mehr:

Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Quellen
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Autor unseres Artikels
Dr. med. Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie
Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie
Studium
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
Berufliche Stationen
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut
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Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin
Studium
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Berufliche Stationen
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
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PFLICHTANGABEN

Canephron® Uno Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung und zur Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden (wie häufigem Wasserlassen, Brennen beim Wasserlassen und verstärktem Harndrang) im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Der Anwender sollte bei fortdauernden Krankheitssymptomen oder beim Auftreten anderer als der in der Packungsbeilage erwähnten Nebenwirkungen einen Arzt oder eine andere in einem Heilberuf tätige qualifizierte Person konsultieren.  Der Anwender sollte bei fortdauernden Krankheitssymptomen oder beim Auftreten anderer als der in der Packungsbeilage erwähnten Nebenwirkungen einen Arzt oder eine andere in einem Heilberuf tätige qualifizierte Person konsultieren. 

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Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

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