Zum Inhalt springen Zum Hauptmenu springen
Header: Blasenentzündung in den Wechseljahren

Blasenentzündung in den Wechseljahren: Ursachen, Vorbeugung und Behandlung

Autoren: , Fachärztin für Urologie

Die Wechseljahre, also die Zeit der hormonellen Umstellung rund um die Menopause, bringen viele Veränderungen im weiblichen Körper mit sich – leider auch ein erhöhtes Risiko für Harnwegsinfekte wie Blasenentzündungen. Dies ist primär eine Folge des sinkenden Östrogenspiegels.1 Was der veränderte Hormonhaushalt mit dem Blasenentzündungs-Risiko zu tun hat, wie Sie selbst vorbeugen können und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Weniger Östrogen, mehr Blasenentzündungen: Mit dem sinkenden Östrogenspiegel verändert sich die Scheidenflora und Krankheitserreger haben leichteres Spiel. Somit steigt das Risiko für Blasenentzündungen.1
  • Vorbeugung: Zur Vorbeugung von Blasenentzündungen in und nach den Wechseljahren helfen allgemeine Maßnahmen wie viel trinken und regelmäßiges Wasserlassen. Bei wiederkehrenden Infektionen kann unter anderem eine lokale Östrogenbehandlung das Risiko weiterer Blasenentzündungen senken.
  • Behandlung: Die Therapie einer akuten Blasenentzündung in dieser Lebensphase entspricht der bei jüngeren Frauen: Bei milden bis moderaten Beschwerden helfen oft schon viel trinken, Wärme, pflanzliche Mittel und Schmerzmittel; bei schwereren Verläufen und komplizierten Harnwegsinfekten kommen Antibiotika zum Einsatz.

Warum steigt in den Wechseljahren das Risiko für Blasenentzündungen?

Mit dem Eintritt in die Wechseljahre durchläuft der Körper eine hormonelle Umstellung, die sich auch auf die Harnwege auswirkt. Östrogen – das „weibliche Hormon“ – spielt für die Gesundheit von Scheide und Blase eine wichtige Rolle. In den fruchtbaren Jahren sorgt Östrogen für dicke, gut durchblutete Schleimhäute und fördert eine schützende Scheidenflora aus Milchsäurebakterien (Laktobazillen).2 Diese „guten“ Bakterien halten den vaginalen pH-Wert sauer (etwa pH 4) und verhindern so die Besiedelung mit Keimen aus dem Darm (z. B. Escherichia coli, auch E. coli genannt), die Harnwegsinfektionen verursachen können.2

Ab den Wechseljahren sinkt der Östrogenspiegel drastisch. Das hat Folgen für die Harnwege: Die Schleimhaut von Scheide und Harnröhre wird dünner und trockener.3 Zugleich nimmt der Glykogengehalt der Vaginalzellen ab – Glykogen dient den Laktobazillen als wichtiger Nährstoff.4 In der Folge reduziert sich die Zahl der schützenden Laktobazillen, und der natürliche Säureschutz der Scheide geht verloren;2,5 der pH-Wert steigt an. In diesem weniger sauren Milieu können sich krankheitserregende Bakterien, vor allem Darmkeime wie E. coli, deutlich leichter ansiedeln und vermehren. Von der Scheide aus können diese Bakterien dann über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und dort eine Infektion auslösen.6

Neben dem Östrogenmangel können auch andere Faktoren das Infektionsrisiko erhöhen:

Natürlich ist nicht jede Frau in den Wechseljahren von solchen Begleitfaktoren betroffen. Dennoch treten chronische Erkrankungen oder regelmäßige Medikamenteneinnahmen im höheren Lebensalter insgesamt etwas häufiger auf.16,17 Sie hängen also nicht unmittelbar mit der Menopause zusammen, können das Risiko für Harnwegsinfektionen aber zusätzlich beeinflussen. In Verbindung mit dem sinkenden Östrogenspiegel entsteht so bei manchen Frauen ein Milieu im Intimbereich, in dem sich Bakterien wie E. coli leichter vermehren können.

Vorbeugung: Wie kann man Blasenentzündungen vermeiden?

Man kann selbst einiges dazu beitragen, um Blasenentzündungen vorzubeugen. Besonders wichtig sind allgemeine Hygieneregeln und Lebensstilfaktoren. Darüber hinaus kann Ihr behandelnder Arzt weitere Maßnahmen empfehlen – beispielsweise eine lokale Östrogenbehandlung oder eine immunstimulierende Behandlung gegen Blasenentzündungen (häufig als ‚Impfung‘ bezeichnet).

Hier die wichtigsten Tipps zur Vorbeugung im Überblick:

Behandlung: Was tun bei einer Blasenentzündung?

Trotz aller Vorbeugung lässt sich eine Blasenentzündung nicht immer vermeiden. Im Grundsatz unterscheidet sich die Therapie einer akuten Blasenentzündung in und nach den Wechseljahren nicht von der Behandlung bei jüngeren Frauen. Wie die Therapie im Einzelnen aussieht, richtet sich auch danach, ob es sich um eine unkomplizierte oder komplizierte Infektion handelt:

  • Unkomplizierte Blasenentzündungen – das heißt Infektionen bei ansonsten gesunden Frauen ohne relevante Grunderkrankungen oder Risikofaktoren – verlaufen oft mild-moderat. Pflanzliche Präparate (z. B. eine pflanzliche Dreierkombination aus Rosmarin, Tausendgüldenkraut und Liebstöckel) lindern hier wirksam die Beschwerden und Hausmittel können hier unterstützend wirken. Außerdem können auch Schmerzmittel zum Einsatz kommen. Gehen die Beschwerden unter den genannten Maßnahmen nicht zurück, kann ein Antibiotikum verordnet werden.
  • Liegt eine komplizierte Harnwegsinfektion vor (z. B. bei bestehenden Nierenerkrankungen, Immunschwäche oder Diabetes), ist eine antibiotische Behandlung in der Regel angezeigt.12

Welche Schritte im Einzelfall notwendig sind, hängt vor allem vom Schweregrad der Symptome und den Begleitumständen ab. Die wichtigsten Bausteine der Behandlung sind:

  • Hausmittel,
  • pflanzliche Arzneimittel,
  • Schmerzmittel und
  • Antibiotika.

Leiden Sie unter häufig wiederkehrenden Blasenentzündungen (medizinisch: rezidivierende Zystitis), sollten Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über weiterführende Maßnahmen sprechen. Sofern noch nicht geschehen, kann eine lokale Östrogentherapie eine Option sein. In manchen Fällen kann auch eine Impfung gegen Blasenentzündung oder eine langfristige Antibiotika-Prophylaxe erwogen werden.

Fazit

Zu den bewährten Therapiemöglichkeiten bei einer Blasenentzündung in und nach den Wechseljahren zählen – wie auch bei jüngeren Frauen – Hausmittel, pflanzliche Arzneimittel, Schmerzmittel und bei Bedarf Antibiotika. Zur Vorbeugung und insbesondere bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten in der Menopause können lokale Östrogene die Infekthäufigkeit reduzieren.

Mit der richtigen Behandlung lassen sich Blasenentzündungen auch in den Wechseljahren gut in den Griff bekommen – und dank der genannten vorbeugenden Maßnahmen lässt sich hoffentlich verhindern, dass es überhaupt oder erneut dazu kommt. Abschließend sei betont: Zögern Sie nicht, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn Sie unsicher sind oder starke Beschwerden haben. Insbesondere Blut im Urin, Fieber oder Rückenschmerzen sollten umgehend ärztlich abgeklärt werden.

Wenn Sie an weiteren ausführlichen Informationen zur Ursache und Behandlung von Blasenentzündungen interessiert sind, erfahren Sie hier mehr:

Die wichtigsten Fragen auf einen Blick

Quellen
  • 1. DGU – Deutsche Gesellschaft für Urologie. Patienteninformation: Blasenentzündung. Version 1.0 – Juli 2024. Zugegriffen am 09.10.2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-044p1_S3_Epidemiologie-Diagnostik-Therapie-Praevention-Management-Harnwegsinfektionen-Erwachsene-HWI_2024-09.pdf
  • 2. Amabebe E, Anumba DOC. The vaginal microenvironment: The physiologic role of Lactobacilli. Front Med (Lausanne). 2018;5:181. doi:10.3389/fmed.2018.00181
  • 3. Castelo-Branco C et al. Management of post-menopausal vaginal atrophy/atrophic vaginitis. Maturitas. 2005;52(S1):S46–S52. doi:10.1016/j.maturitas.2005.06.014
  • 4. Gandhi K et al. Lactobacilli and cytokine modifications during menopause and their relation to vulvar and vulvovaginal disorders. J Menopausal Med. 2022;28(2):52–59. doi:10.6118/jmm.22001
  • 5. de Oliveira NS et al. Postmenopausal vaginal microbiome and microbiota. Front Reprod Health. 2022;3:780931. doi:10.3389/frph.2021.780931
  • 6. Neugent ML et al. Recurrent urinary tract infection and estrogen shape the taxonomic ecology and function of the postmenopausal urogenital microbiome. Cell Rep Med. 2022;3(10):100753. doi:10.1016/j.xcrm.2022.100753
  • 7. Franco A. Understanding pelvic floor dysfunction and its relationship to urinary incontinence: Insights and solutions. J Womens Health Care. 2024;13(3):719. doi:10.35248/2167-0420.24.13.719
  • 8. Adam P, Burkhard F, Kuhn A. Die Beckenbodenschwäche der Frau – klinische Bilder und Therapie. Urol Prax. 2023;25:68–75. doi:10.1007/s41973-023-00219-z
  • 9. Kim TY, Cho MK, Kim CH. Significance of prolapse reduction in measurement of postvoid residual urine volume in pelvic organ prolapse patients: A prospective study. Clin Exp Obstet Gynecol. 2022;49(12):279. doi:10.31083/j.ceog4912279
  • 10. Storme O et al. Risk factors and predisposing conditions for UTI. Ther Adv Urol. 2019;11:1756287218814382. doi:10.1177/1756287218814382
  • 11. Poletajew S, Brzózka MM, Krajewski W, et al. Glycosaminoglycan replacement therapy with intravesical instillations of combined hyaluronic acid and chondroitin sulfate in patients with recurrent cystitis, post-radiation cystitis and bladder pain syndrome: A Narrative Review. Pain Ther. 2024;13(1):1–22. doi:10.1007/s40122-023-00559-1
  • 12. DGU – Deutsche Gesellschaft für Urologie. S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (043-044p1). 2024. Zugegriffen am 09.10.2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-044p1_S3_Epidemiologie-Diagnostik-Therapie-Praevention-Management-Harnwegsinfektionen-Erwachsene-HWI_2024-09.pdf
  • 13. Gremke N et al. Association between Parkinson’s Disease Medication and the Risk of Lower Urinary Tract Infection (LUTI): A Retrospective Cohort Study. J Clin Med. 2022;11(23):7077. doi:10.3390/jcm11237077
  • 14. Pereira GMV, Brito LGO, Palma PCR. Urinary Tract Infection and Pelvic Organ Prolapse—an Association that Needs Further Clarification. Curr Bladder Dysfunct Rep. 2020;15:320–324. doi:10.1007/s11884-020-00607-y
  • 15. Ligon MM et al. Effects of aging on urinary tract epithelial homeostasis and immunity. Dev Biol. 2023;493:29–39. doi:10.1016/j.ydbio.2022.11.003
  • 16. Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Medikamente im Alter. 2023. Zugegriffen am 09.10.2025. https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/files/230613_BMBF_MedikamenteImAlter_RZ_bf.pdf
  • 17. Ruscin JM. Arzneimittel im Alter. MSD Manuals. 2025. Zugegriffen am 09.10.2025. https://www.msdmanuals.com/de/heim/gesundheitsprobleme-bei-%C3%A4lteren-menschen/arzneimittel-im-alter/arzneimittel-im-alter
  • 18. DGGG/OEGGG/SGGG. Harninkontinenz der Frau (S2k-Leitlinie, Reg.-Nr. 015-091l). 2021. Zugegriffen am 09.10.2025. https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-091l_S2k_Harninkontinenz-der-Frau_2022-03.pdf
  • 19. Chen YY, Su TH, Lau HH. Estrogen for the prevention of recurrent urinary tract infections in postmenopausal women: a meta-analysis of randomized controlled trials. Int Urogynecol J. 2021;32:17–25. doi:10.1007/s00192-020-04397-z
  • 20. Moore KH et al. Change in microbiota profile after vaginal estriol cream in postmenopausal women with stress incontinence. Front Microbiol. 2024;15:1302819. doi:10.3389/fmicb.2024.1302819
  • 21. Ackerman AL et al. Updates to recurrent uncomplicated urinary tract infections in women: guideline. J Urol. 2025. doi:10.1097/JU.0000000000004723
  • 22. Wagenlehner FM et al. Non-Antibiotic Herbal Therapy (BNO 1045) versus Fosfomycin Trometamol. Urol Int. 2018;101(3):327–336
  • 23. Kooperation Phytopharmaka. Bärentraube (Arzneipflanzenlexikon). Zugegriffen am 09.10.2025. https://arzneipflanzenlexikon.info/index.php?de_pflanzen=66
Autor unseres Artikels
Dr. med. Michaela Hilburger, Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie
Dr. med. Michaela Hilburger
Fachärztin für Urologie / Medikamentöse Tumortherapie
Studium
  • Ludwig-Maximilians-Universität in München
Berufliche Stationen
  • Klinikum Landshut gemeinnützige GmbH, Abteilung Urologie, Landshut
mehr Informationen ➚
Medizinische Prüfung des Artikels
Dr. med. Monika Steiner, Ärztin
Medizinisch geprüft von
Dr. med. Monika Steiner
Ärztin
Studium
  • Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität, Bonn
Berufliche Stationen
  • Leitung Medizin-Online / Chefredakteurin Springer Nature
  • Medizinische Gutachterin für ärztliche CME-Fortbildung
mehr Informationen ➚
Symbolbild Teaser
Blasenentzündung trotz Antibiotikum nicht weg – was tun?
Brennen beim Wasserlassen, ständiger Harndrang und Unterbauchschmerzen – und das trotz Antibiotikum? In dem folgenden Beitrag haben wir für Sie zusammengefasst, was dahinterstecken kann, wenn eine Blasenentzündung trotz antibakterieller Therapie nicht abheilt und welche Maßnahmen dann sinnvoll sind.
weiterlesen
Teaser: Behandlungsmöglichkeiten bei Zystitis
Behandlungsmöglichkeiten
Zur Therapie der akuten Blasenentzündung gibt es mehrere Optionen – von Hausmitteln über Heilpflanzen bis Antibiotika. Aber wann ist was das Beste?...
weiterlesen
Teaser-Symbolbild: Drei wirksame Heilpflanzen bei Blasenentzündung
Drei wirksame Heilpflanzen
In der Behandlung der typischen Symptome einer akuten Blasenentzündung haben sich vor allem drei Heilpflanzen als....
weiterlesen
Pflichtangaben

PFLICHTANGABEN

Canephron® Uno Traditionelles pflanzliches Arzneimittel zur unterstützenden Behandlung und zur Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden (wie häufigem Wasserlassen, Brennen beim Wasserlassen und verstärktem Harndrang) im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Der Anwender sollte bei fortdauernden Krankheitssymptomen oder beim Auftreten anderer als der in der Packungsbeilage erwähnten Nebenwirkungen einen Arzt oder eine andere in einem Heilberuf tätige qualifizierte Person konsultieren.  Der Anwender sollte bei fortdauernden Krankheitssymptomen oder beim Auftreten anderer als der in der Packungsbeilage erwähnten Nebenwirkungen einen Arzt oder eine andere in einem Heilberuf tätige qualifizierte Person konsultieren. 

Canephron® N Dragees, Canephron® N Tropfen Traditionell angewendet zur unterstützenden Behandlung und zur Ergänzung spezifischer Maßnahmen bei leichten Beschwerden im Rahmen von entzündlichen Erkrankungen der ableitenden Harnwege. Canephron® Uno,Canephron® N: Zur Durchspülung der Harnwege zur Verminderung der Ablagerung von Nierengrieß. Hinweis: Canephron® Uno undCanephron® N sind traditionelle pflanzliche Arzneimittel, die ausschließlich aufgrund langjähriger Anwendung für das Anwendungsgebiet registriert sind. Bei fortdauernden Krankheitssymptomen oder beim Auftreten anderer als der in der Packungsbeilage erwähnten Nebenwirkungen sollten Sie ihren Arzt oder eine andere in einem Heilberuf tätige qualifizierte Person konsultieren. Canephron® N Tropfen wird angewendet bei Jugendlichen ab 12 Jahren und Erwachsenen. Wenn Sie sich nach 7 Tagen nicht besser oder gar schlechter fühlen, wenden Sie sich an Ihren Arzt. Canephron® Uno und Canephron® N Dragees enthalten Glucose, Saccharose/Sucrose (Zucker), Lactose. Canephron® N Tropfen enthalten 760 mg Alkohol (Ethanol) pro 5,0 ml entsprechend 152 mg/ml (19 % V/V).

Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie die Packungsbeilage und fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder in Ihrer Apotheke.

BIONORICA SE | 92308 Neumarkt                   Stand: 01|24

Nur in der Apotheke erhältlich.